Eine lange Geschichte...ganz kurz!

 

Die Anfänge im Jahre 1883

„Petersburg“ vermerkt der Buchhalter des kleinen Unternehmens von Christian Kremp in Wetzlar im Posteinlieferungsbuch in bester Kontor-Handschrift als Ziel der Warensendung. Er würde nicht im Traum darauf kommen, dass dieser Eintrag mehr als 125 Jahre später noch jemanden interessieren könnte. Tatsächlich betrachtet die Firma Kremp Wetzlar Präzisionszahnräder GmbH + Co. KG den Beginn der Eintragungen in dieses Posteinlieferungsbuch am 1. August 1883 als den offiziellen Gründungsbeweis des Unternehmens, der zum Jubiläum im Jahr 2008 geführt hat.

 

Der Werdegang von Gründer Christian Kremp als Tischler

Doch blicken wir zunächst zurück ins Jahr 1842, als am 1. Februar in Ennerich an der Lahn dem Bergmann Johann Georg Kremp und seiner Frau Elisabeth als einziges Kind Sohn Christian geboren wird. Vater Johann Georg, der noch in Wellmich am Rhein geboren war, war der Lahn hinauf bis nach Braunfels gefolgt auf der Suche nach besseren Arbeitsstellen.

Er war zunächst Bergmann, dann Steiger, wurde schließlich zum Obersteiger ernannt und war für eine gewisse Zeit sogar Miteigentümer einer Eisenerzgrube in der Gegend um Solms an der Lahn. Christian ist schon als Jugendlicher fingerfertig, geschickt und technisch wie musisch interessiert und hätte am liebsten mit einer Lehre zum Uhrmacher begonnen. Ein solcher Ausbildungsplatz ist jedoch in der Gegend um Braunfels nicht vorhanden und so beginnt er zunächst eine Ausbildung bei seinem Vater im Bergbau.
Nach einem Jahr jedoch hat der Vater ein Einsehen und der Sohn beginnt bei Meister Konrad Kreiner in Braunfels eine Ausbildung zum Tischler. Das ist zwar noch nicht der ersehnte Weg zum technisch orientierten Uhrmacherhandwerk, doch immerhin ein Anfang, der Kreativität und Geschick erfordert.
Christian zeigt von Anfang an handwerkliche Präzision, viel Erfindungsgeist und Einfühlungsvermögen und übernimmt folgerichtig die Tischlerei von Konrad Kreiner, als der im Jahre 1867 in die USA auswandert.

 

...und als Mechaniker

Bereits als Fünfzehnjähriger hatte sich Christian eine Gitarre inklusive Mechanik selbst gebaut, und so werden in seiner Tischlerei auch standardmäßig Ersatzteile für Musikinstrumente gefertigt und ein Stimmdienst angeboten. Nachdem sich die Fertigung immer mehr in Richtung Musikinstrumente verlagert , siedelt die Firma um das Jahr 1874 um nach Wetzlar in die heutige Lahnstraße und nach einigen Jahren weiter in die Hofstatt. In der Zwischenzeit hat sich Christian autodidaktisch die Grundlagen der Mechanik beigebracht und beginnt, Zahnräder und -stangen für die Stimmmechaniken seiner Instrumente standardmäßig selbst zu fertigen.

 

Beginn der technischen Fertigung in Wetzlar - der Durchbruch

In der Zeit in der Hofstatt war der Durchbruch von der Tischlerei zur technischen Fertigung gekommen, als Moritz Hensoldt, mit dem Christian Kremp schon seit seiner Braunfelser Zeit befreundet war, ihn um eine Lösung eines technische Problems an einem seiner Mikroskope bittet. Zur damaligen Zeit ist zwar die Optik der Mikroskope schon beachtlich weit fortgeschritten, jedoch hinkt die Mechanik für Fokussierung und Tischbewegung hinterher. Christian kann Moritz Hensoldt tatsächlich eine geniale Lösung in Form eines schrägverzahnten Antriebes präsentieren und Hensoldt ermutigt ihn, in dieser Richtung weiter zu arbeiten. Kremp erkennt das Potential dieser Entwicklung und konstruiert sich nicht nur die nötigen Werkzeugmaschinen, sondern stellt auch ein standardisiertes Fertigungsprogramm mit Zahnrädern und -stangen zusammen und bietet gleichzeitig auch die zu deren Produktion nötigen Fräser an.

 

Der optische Bereich kommt dazu

Hensoldt ist es auch, der Christian Kremp in die Grundlagen der Optik einführt. Inzwischen residiert die Firma in der Silhöfertorstraße, der heutigen Ernst-Leitz-Straße. In den ersten Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird das Programm um optische Komponenten erweitert und Christians Sohn Georg Kremp übernimmt 1913 die Firma von seinem Vater, der Prokura erhält. Er baut den optischen Bereich über Linsen, Lupen, Fern- und Theatergläser bis hin zu einem eigenen Mikroskop-Programm aus. Während und unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg bricht die zivile technische Produktion ein und man fertigt Komponenten für die Rüstung und nach Kriegsende wird mit Hilfe der Kenntnisse des Gründers die Produktion von Tischlereierzeugnissen wieder aufgenommen.

Nach kurzer Zeit jedoch werden wieder optische und feinmechanische Erzeugnisse produziert und in viele Länder exportiert. Durch ständige Ausweitung der neuen Produktion muss schon bald die räumliche Situation erneut verbessert werden und so werden nach und nach die Gebäude in der heutigen Ernst-Leitz-Straße 44 – 50 mit Wohn- und Geschäftsräumen und einer langgestreckten Werkhalle gebaut.

Christian Kremp hatte verfügt, dass nach seinem Tode die Firma in zwei Bereiche zu teilen sei. In einen, der sein Lebenswerk, die Verzahnung, weiterführt und von seinen Enkeln gelenkt werden soll. Der zweite Bereich soll den immer noch aufstrebenden Bereich der optischen Erzeugnisse abdecken und von Sohn Georg geführt werden. Nach dem Tode seines Vaters übernimmt dieser jedoch für seine minderjährigen Söhne Hermann und Heinrich die Leitung der Verzahnungsfirma. Unter seiner Leitung wird die Bandbreite des Produktangebotes der Optikfirma ausgeweitet bis hin zu einer eigenen Kameralinie, unter anderem der „Kreca“.

 

Die Produktion 1933 -1945

Die Zeit von 1933 bis 1945 sieht die Firma wieder in der Rüstungsproduktion, nachdem der zivile Markt für ihre Produkte abermals zusammengebrochen ist. Diese schwere Zeit geht für die beiden Firmen Kremp mit einigem Ungemach einher, so werden beiden wegen mangelnder „Linientreue“ die Produktionsmöglichkeiten durch Verbot eigenständiger Rüstungsproduktion und Beschlagnahme wichtiger Maschinen stark eingeschränkt und nicht zuletzt erhält die Firma einige Bombennahtreffer auf ihrem Gelände bei verschiedenen Luftangriffen auf Wetzlar.

 

Aufbau und Wachstum nach den Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird von Georg Kremp und seinen Söhnen Hermann und Heinrich umgehend die Wiederaufnahme der Produktion in Angriff genommen und schon bald kann man wieder auf Vorkriegsniveau produzieren und dieses sogar überflügeln. Wieder sind es verschiedene optische Fertigprodukte, die in der Optikfirma produziert werden und natürlich fertigt man weiterhin optische und feinmechanische Komponenten nicht nur für heimische Firmen, sondern auch für Kunden in aller Welt. In den Zeiten des Wirtschaftswunders haben beide Firmen zusammen etwa 190 Mitarbeiter. Diese Zahl jedoch reduziert sich ab den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vor allem in der Optikfirma durch verstärkte Konkurrenz aus dem fernen Osten und so wird der Betrieb der Optikfirma im Jahre 1979 eingestellt.

Die Verzahnungsfirma ist unter der Leitung von Heinrich Kremp jedoch als zuverlässiger Lieferant feinmechanischer Komponenten weiterhin gefragt. Die Gebäude in der Ernst-Leitz-Straße genügen ohnehin schon lange nicht mehr den Anforderungen an schwere Maschinen und Produktionsmethoden und so wird dieser Standort im gleichen Jahr an die Stadt Wetzlar verkauft, die dort ihren Feuerwehrstützpunkt errichtet.

 

Das Unternehmen heute

Die heutigen Gebäude am Hörnsheimer Eck in Wetzlar werden 1980 bezogen und die vierte Generation der Kremps – vor allem Heinrich Kremps Sohn Christian und später auch dessen Bruder -  übernimmt immer mehr Verantwortung. Seit 1996 leitet Dipl. Ing. Christian Kremp als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer die Firma und muss die Herausforderungen eines sich in technischer Hinsicht rasant ändernden Marktes in kurzer Zeit umsetzen. Er führt die CNC-Technik ein, modernisiert den Maschinenpark und richtet die Firma weg von der Großserienproduktion, in der man gegen die Konkurrenz aus Asien nicht mehr bestehen kann, auf die Fertigung hochpräziser feinmechanischer Bauteile auch in Klein- und Kleinstserie.

Die Firma Kremp Wetzlar Präzisionszahnräder Christian Kremp GmbH + Co. KG setzt damit die Tradition ihres Gründers fort, der mit Einfallsreichtum sowie lösungsorientiertem und flexiblem Agieren das Unternehmen von der Tischlerei zum technischen Betrieb wandelte. Das Unternehmen, das aus solch kleinen Wurzeln erwuchs, präsentiert sich heute als letztes Unternehmen in einer Reihe Wetzlarer Optik-  und Feinmechanikunternehmen, dass sich immer noch nicht nur in Familienhand befindet, sondern auch noch vom Inhaber geleitet wird. Verschiedene Unternehmen haben wirtschaftlich nicht überleben können, wurden verkauft oder von Investoren übernommen und haben heute nicht viel mehr als den Namen mit ihren Gründern gemein.

 

Die Tradition lebt fort

Heute ist das Unternehmen Partner führender Unternehmen im Bereich Feinmechanik, Optik,  Maschinenbau und Medizintechnik. Spezialisiert auf die Produktion präziser Zahnräder, Zahnstangen und Verzahnungen an allen denkbaren Bauteilen aus allen denkbaren Materialien. Die Stärke liegt in der individuellen Realisierung von Kundenwünschen abseits der Massenproduktion, bei denen es auf höchste Genauigkeit und Zuverlässigkeit ankommt. Und das bis hinunter zur Produktion von nur einem einzigen Stück. Mit 20 Mitarbeitern und einem modernen Maschinenpark werden heute natürlich auch große Serien zu günstigen Preisen gefertigt und ein umfangreiches Angebot an standardisierten Zahnrädern und Zahnstangen in vielen Formen steht aus dem hauseigenen Katalog zur Verfügung.

Und obwohl die Kontorschrift inzwischen eine längst vergessene Kunstform ist und heute eine schnöde Digitalschrift ihren Platz eingenommen hat, druckt der Computer auch heute wieder Ziele in aller Welt als Empfänger für die Produkte von Kremp aus Wetzlar an der Lahn...